Allgemeines zur Schule

Bertha von Suttner – ihr Leben und ihre Zeit

Die kleine Bertha hatte zwar schon von Geburt an den Titel Baronesse, aber das Schicksal schlug schon früh zu: ihr Vater starb kurz vor ihrer Geburt. Ihn hat sie also nie gekannt.

Es muss auch für ihre Mutter nicht leicht gewesen sein. Denn es kam hinzu, dass die Familie verarmte, nicht zuletzt, weil ihre Mutter viel Geld beim Glücksspiel im Kasino verlor.

Vielleicht hatte sich ihre Mutter erhofft, so die Armut mit einem großen Gewinn lindern zu können. Auch hatte sie einen schweren Stand, weil die Familie der Kinskys ihre Mutter nie recht anerkannt hatte. Ihre Heirat mit Berthas Vater hatte die nämlich als unter ihrer Würde angesehen.

Die Mutter selbst kümmerte sich wohl nicht sehr viel um die kleine Bertha. Das ließ sie durch Erzieherinnen erledigen.

Für ihre Zeit muss Bertha als Mädchen wohl relativ frei erzogen worden sein. Zu dieser Zeit galt für Mädchen, dass sie irgendwann möglichst reich heiraten, Kinder kriegen und als Vorzeigeobjekt ihres Mannes dienen sollten.

Bei den Suttners sorgte man aber dafür, dass sie – obwohl ein Mädchen- eine umfassende Bildung erhielt. Ihr wurden die gesellschaftlichen Umgangsformen beigebracht, sie war sehr belesen, lernte viele Sprachen, lernte sehr gut Klavier zu spielen, durfte nach Paris, Baden-Baden und Mailand reisen, um Gesang zu studieren. All das war nicht selbstverständlich für junge Mädchen ihrer Zeit.

Dadurch dass sie die große Welt kennen lernte, viel reiste und fremde Sprachen sprach und sich in der vornehmen oder gebildeten Gesellschaft bewegte, lernte sie viele unterschiedliche Menschen und wichtige Persönlichkeiten kennen und diskutierte als Frau viel mit Männern aus Politik und Wissenschaft, die mächtige Positionen inne hatten. Das war schon etwas besonderes, weil es für Frauen dieser Zeit Gleichberechtigung und politische Beteiligung am Leben – Frauen durften nicht wählen – noch nicht gab. Trotzdem muss man die junge gebildete Frau ernst genommen haben, sonst hätte sie in dieser Männergesellschaft und in ihrem Leben wohl einen anderen Weg genommen.

Als sie Anfang 30 war, beschloss sie, selbst für sich zu sorgen und versuchte Arbeit als Sekretärin oder Erzieherin zu finden. Das war auch nicht normal, denn die meisten Frauen waren zu dieser Zeit ohne Beruf und hatten nur eine gute Ehefrau und Mutter zu sein. Aber Bertha war anders.

Sie wurde Erzieherin der vier Töchter des Barons von Suttner. Dieser hatte auch noch einen Sohn. Er war sieben Jahre jünger als Bertha. Und es kam, wie es kommen musste, sie verliebten sich ineinander. Der Familie Suttner war das peinlich, nicht standesgemäß. Bertha war ja schließlich ihre Angestellte und arm und unvermögend. Das konnte nicht angehen, auch wenn sie vom Namen her eine Baronesse war. Dieses Liebesverhältnis wurde brutal verboten. Man kündigte ihr von heute auf morgen.

Bertha versuchte eine neue Arbeit zu finden, was gar nicht so leicht war. Selbstbewusst und mutig, wie sie war – sie hatte ja auch Beziehungen – erreichte sie einen Vorstellungstermin als Sekretärin bei dem bekannten Multimillionär Alfred Nobel in Paris. Sie bekam den Job, aber die Liebe zog sie wieder nach Österreich zu Arthur Gundaccar von Suttner, der Journalist war, zurück. Sie nahm die Arbeit nicht an, hatte aber einen sehr guten Freund für’ s Leben in Alfred Nobel gefunden.

Unabhängig, selbstbewusst und mutig wie sie war und ihr geliebter Arthur nicht weniger, taten die beiden etwas, was absolut skandalös für diese Zeit und erst recht für die Familie von Suttner war: sie heirateten heimlich. Das war der endgültige Streit und Bruch mit seiner Familie. Aber beide hatten beschlossen, sich davon nicht klein kriegen zu lassen und wollten unabhängig, ohne den Segen der Familie leben. Am Besten ging das, wenn man aus dem Blickfeld der Familie verschwand.

Eine bekannte Fürstin in Tiflis bot den beiden an, zu ihr zu ziehen. So würde sich die Lage in der Familie beruhigen. Hier hielten die beiden sich mit verschiedenen Jobs über Wasser: u.a. schrieben sie Artikel für Zeitungen. Ansonsten bildete Bertha sich sehr intensiv weiter in Wissenschaft, Philosophie und Geschichte. Sie war sehr neugierig und hatte viele Fragen und hatte wohl auch erkannt, dass eine Frau viel mehr und intensiver lernen musste, um ernst

genommen zu werden, als ein Mann. Während dieser Zeit schrieb Bertha sechs Romane.

1885 hatte die Lage in der Familie sich beruhigt und es kam zur Versöhnung. Nun durften Bertha und Arthur auf dem Gutsbesitz der von Suttners bei Wien wohnen.

Bertha konnte nicht untätig sein, sie war immer in Aktion und unterwegs. Sie lernte in London die Internationale Friedensvereinigung kennen und wurde Mitglied. Forsch und redegewandt wie sie war, wurde sie schnell zu deren Hauptsprecherin. Jetzt bekam ihr Leben einen richtigen Sinn. Sie kämpfte für die Gleichberechtigung der Frau – und war selbst das beste Beispiel – und sie forschte für die Verwirklichung von Frieden in der Welt. Sie erforschte den Mechanismus von Krieg, sprach mit Armeechirurgen und Offizieren und beschrieb die unendlichen Grausamkeiten des Krieges. Jeder sollte davon erfahren. Die ganze Welt. So schrieb sie ihren Roman „Die Waffen nieder!“.

Sie wurde die erste politische Journalistin deutscher Sprache. Nach harten Kämpfen und mit großer Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen gab der Erfolg ihr Recht: Es gab viele Menschen, die dieselben Ziele verfolgten wie sie. Das waren: Abschaffung verheerender Waffen, friedliche Konfliktregelung zwischen Staaten und letztendlich die Abschaffung des Krieges.

Sie regte auch die Einrichtung des Friedensnobelpreises für den- oder diejenige an, die sich am besten für den Frieden einsetzten. Bertha hatte in ihrem 71-jährigen Leben viele Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen kennen lernen müssen. Die Welt war ständig in Bewegung.

1854 bis 1856 der Krimkrieg. 1858 bis 1859 der Krieg der Franzosen und Italiener gegen Österreich.

1861 bis 1865 der Unabhängigkeitskrieg der USA. 1864 der deutsch-dänische Krieg, 1866 der preußisch-österreichische Krieg, 1870/71 der deutsch-französische Krieg, 1877 der russisch-türkische Krieg, 1894/95 der chinesisch-japanische Krieg, 1898 Konflikte zwischen England und Frankreich, 1899 bis 1902 der Burenkrieg in Südafrika, 1904 /05 der russisch-japanische Krieg.

Und nicht zuletzt stand 1913, kurz vor Berthas Tod, der 1. Weltkrieg vor der Tür. 

Krieg war also durchgängig Thema Nr. 1 in Berthas Leben. Wie hätte man sich als gebildeter, mitfühlender und vernünftiger Mensch, wie Bertha es war, NICHT damit beschäftigen müssen!?

RoA, 2011

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